Urwald, Fels und Wasser: Tiveden Nationalpark in Schweden

„Boaaaaaaaaaaaaah, Felsen! Uiiiiiiii, Wasser! Woooooooooow, umgefallene Bäume!“ Der Tiveden Nationalpark ist definitiv einer von Lupolds Lieblingsorten. Poldi versteht sich sozusagen als Offroad-Collie. Je kraxeliger, verschlungener und schmaler der Pfad, desto besser. Und davon gibt es in „Schwedens südlichster Wildnis“ jede Menge.

Der Tiveden Nationalpark ist der einzige Ort in Schweden, an dem wir bislang zweimal waren – und das, obwohl er relativ klein ist. Und beide Male sind wir dort länger hängen geblieben als geplant, obwohl uns die Entdeckerlust weiter nach Norden zog. Doch dieser Nationalpark ist einfach etwas Besonderes: Wilde, abwechslungsreiche Natur, komprimiert auf kleinem Raum.

Eindrucksvolle, moosüberwucherte Felsformationen, eine phantastische Aussicht von der Trollkirche, der weiße Sandstrand von Vitesand und dazwischen ganz viel Urwald – hier kann man sich innerhalb weniger Wanderkilometer so richtig an eindrucksvoller Natur sattsehen, klettern, baden oder einfach am Ufer liegen und im Schatten der Kiefern dösen. Auch die Umgebung des Nationalparks ist sehr abwechslungsreich und hat viel zu bieten.

Tiveden Nationalpark: Die südlichste Wildmark Schwedens

Der Tividen Nationalpark liegt zwischen den beiden Seen Vättern und Vänern, an der Grenze zwischen den schwedischen Provinzen Västergötland und Örebro. Fährt man von Hamburg aus mit dem Auto durch, ist man in gut 9 Stunden da. Tiveden umfasst 1353 Hektar Fläche und ist damit eher klein – dennoch gilt er als „südlichste Wildnis Schwedens“. Zu Recht. Auf Google hat der Nationalpark eine Durchschnittsbewertung von 4,8 bei 167 Bewertungen. Die eindrucksvollen, moosüberwucherten Felsformationen haben etwas Märchenhaftes an sich.

Das Schöne an Tiveden: Hier ist nahezu unberührte Wildnis ganz leicht zugänglich. Der Nationalpark ist gut ausgeschildert, leicht erreichbar, es gibt großzügige Parkplätze, Grillplätze, Rastplätze ein informatives Besucherzentrum. Bei den angelegten Wanderwegen ist für jeden etwas dabei: Eine kleine Runde entlang des Sees Stora Trehörningen von anderthalb Kilometern ist genauso drin wie die große Runde entlang der Grotte Stenkälla und über den Berg Trollkyrka mit fünfzehn Kilometern.

Im Besucherzentrum gibt es Broschüren für jede Wanderrunde, in der die Highlights in verschiedenen Stationen beschrieben werden. (Die Broschüren gibt es auf Deutsch und auch zum Download, nämlich hier.) Von Nord nach Süd durchkreuzt der Bergslagsleden, ein Fernwanderweg von Örebro nach Kopparberg, den Park – für alle, die Lust auf mehr bekommen 😉

Kurze Wege für stramme Waden

Die Wege im Nationalpark sind teilweise recht anspruchsvoll und erfordern Trittsicherheit und festes Schuhwerk – dafür gibt’s dann aber auch stramme Waden. Im Nationalpark entsteht der Urwald von morgen: Morsche und umgestürzte Bäume werden nicht geräumt, sondern liegen gelassen und dienen als Dünger für neue Pflanzen. Also nichts für Fußkranke – die Beinchen muss man schon ein bisschen heben. Wer möchte, kann den Park auch mit einem Wanderguide, auf dem Pferderücken oder bei einer Führung mit Wolfshunden erkunden.

Eine kleine Warnung für alle Soziophobiker wie uns: Tiveden ist bei Touristen wie auch Einheimischen sehr beliebt. Wir waren jedes Mal im Spätsommer dort, konnten bestes Wetter und viel Ruhe genießen. Während sich an Zentren wie Vitsand mehr Leute tummeln, zerstreut es sich auf den größeren Rundwegen. Abends hat man den Park fast für sich. Wer also die absolute Stille ohne andere Wanderer genießen möchte, sollte lieber außerhalb der Saison kommen und zur zweiten Tageshälfte starten.

(Und noch eine zweite Warnung für alle mit empfindlichem Näschen: Hunde, die sich von Wildschweinhinterlassenschaften genauso magisch angezogen fühlen wie Lily, sollte man im Auge behalten – sonst kommt man in den Genuss eines ganz besonderen Odeurs auf der Weiterfahrt.)

Trollkyrka: Wo den Trollen gehuldigt wurde

Eines der bedeutendsten Natur- und Kulturdenkmäler in Tiveden ist die sogenannte Trollkirche. Diese etwa 200 Meter hohe Felsformation liegt tief im Nationalpark – abgeschieden von dem Trubel, der manchmal um das Besucherzentrum und den Parkplatz herum herrscht. Die Trollkirche ist ein mythischer Ort: Bis vor zweihundert Jahren soll er, örtlichen Überlieferungen zufolge, als heidnische Opferstätte gedient haben.

Das Betreten der Trollkirche war damals für Außenstehende eine durchaus risikoreiche Angelegenheit: Da die Opferrituale streng verboten waren, musste jeder Zeuge damit rechnen, in einer Grube im Wald zu enden – zumindest, wenn er sich den Heiden nicht anschließen wollte. Heute ist der Aufstieg weniger gefährlich: Es erfordert durchaus etwas Geschicklichkeit, der orangefarbigen Markierung zum Felsplateau zu folgen – ist aber machbar.

Oben angekommen, beeindruckt vor allem die sagenhafte Aussicht über die Seen und Wälder des Umlandes. Aus eigener Erfahrung können wir sagen: In der Abenddämmerung mutet die Trollkyrka immer noch geheimnisvoll an.

Vitsand: Weißer Sandstrand mitten in Schweden

Dieser Ort ist alles, aber kein Geheimtipp im Tiveden Nationalpark. Dennoch ist er wirklich empfehlenswert, der breite, weiße Sandstrand von Vitsand mit seinen flachen Ufern. Selbst im September war das Wasser hier angenehm warm und wir konnten mit den Hunden ein wenig planschen gehen. Überall am Ufer sind Picknickplätze aufgestellt. Wir sind außerhalb der Saison, unter der Woche morgens hier zum Frühstücken gewesen. Das war ein wenig frisch, dafür hatten wir den Strand und den See ganz für uns alleine.

Schärengarten von Granvik: Inselwelten entdecken

Die Schärengärten von Granvik mit ihren vielen kleinen Inseln haben vor allem das Herz des Entdeckers Lupold höher schlagen lassen. (Das von Thomas auch, das könnte aber auch etwas damit zu tun haben, dass er am Ende einer zweistündigen Runde feststellte, dass er sein Handy in den Schären verloren hatte – und die Tour noch einmal im Laufschritt zurücklegte. Immerhin: Das Handy und er kehrten wohlbehalten zurück!)

Anfangs waren wir noch ein wenig enttäuscht, weil man auf den Wanderwegen die nahe Landstraße 49 doch noch sehr hört. Doch je weiter man in die Schärengärten vordringt, desto stiller wird es – bis man schließlich von der Straße nichts mehr mitbekommt. Da wir bislang nur ins Binnenland gereist sind, waren die Schären für uns neu. Bei der nächsten Reise werden wir sicherlich einmal die berühmten Schärengärten der Westküste besuchen!

Unterkünfte und Restaurants in der Nähe des Tiveden Nationalparks

Wir sind beide Male auf dem Tiveden Campingplatz gewesen, den wir wärmstens empfehlen können ( Durchschnittsbewertung von 4,6 bei 123 Google-Rezensionen – verdient, wie wir finden, und wir sind wirklich keine Campingplatz-Fans.) Er liegt direkt am See Unden, mit eigener Badestelle, und wird von einem ausgesprochen herzlichen und hilfsbereiten niederländischen Paar geführt, das neben Schwedisch auch Englisch und Deutsch spricht.

Die sanitären Anlagen sind gerade erst renoviert worden und top in Schuss und man kann direkt vom Platz aus einige Pfade entlang des Sees mit den Hunden entlang spazieren. Natürlich gibt es hier auch WLAN. Tipp: Bestellt abends das frische Brot für den Morgen – wirklich superlecker! (Anmerkung: Aktuell wird der Campingplatz um ein Feriendorf erweitert. Ob es dadurch zu Lärmbelästigung kommt, wissen wir nicht – der Baubeginn war nach unserem Besuch.)

Eine sehr einfache, aber günstige und malerische Unterkunft ist das Tivedens Vandrarhem in der Nähe von Granvik. Ein guter Ausgangspunkt, um in den Schären Kanu zu fahren.  Sehr hübsch mutet das historische Dörfchen Tivedstorp an, das heute eine Jugendherberge mit angeschlossenem Café (geöffnet von Juni bis August) ist. Ein gemütliches und gutes Restaurant ist das Tivedens Mat & Café mitten im Wald. Das TivedensMat hat vom 5. Mai bis zum 24. September geöffnet. Die Küche ist typische schwedische, aber auch französische Küche, auf Anfrage werden aber auch gern vegetarische und vegane Alternativen angeboten.

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