Unterwegs im schwedischen Gränslandet

Das erste Mal im Fjäll zu sein, das ist ein bisschen wie ein Rendezvous mit der Unendlichkeit. Das Dach der Welt breitet sich vor Dir aus – und um Dich herum: nichts mehr. Sogar die Collies legten sich in den brausenden Wind und blickten ganz still in die Ferne – nunja, bis sie hocherfreut einen Stock auf der Bergkuppe entdeckten. Dann war natürlich Party angesagt!

Das südlichste Fjäll in Schweden liegt in der Gegend um Idre, an der Grenze zu Norwegen in der Provinz Dalarna. In diesem Grenzland liegen insgesamt neun geschützte Naturgebiete, die man auf Tagestouren oder Mehrtagestouren erwandern kann:

  • Landschaftsschutzgebiet Langtjønna
  • Nationalpark Femundsmarka
  • Landschaftsschutzgebiet Femundslia
  • Naturschutzgebiet Grövelsjön
  • Nationalpark Gutulia
  • Naturschutzgebiet Rogen
  • Nationalpark Töfsingdalen
  • Naturschutzgebiet Långfjället
  • Naturschutzgebiet Städjan-Nipfjället

Mehr über die einzigartige Natur des Gränslandets und seine Nationalparks erfährst Du hier. Die Collies und wir haben Tagestouren im Naturschutzgebiet Långfjället und Rogen unternommen. Jedes dieser Gebiete hatte dabei seinen ganz eigenen Zauber.

Übrigens: Das Grövelfjäll ist nicht nur das südlichste Fjäll, Idre Sameby ist auch das südlichste Samendorf in Schweden. Rentier-Begegnungen sind hier daher an der Tagesordnung.

Fjäll – was ist das eigentlich?

Schwedisch Fjäll oder Norwegisch Fjell bezeichnet eine typisch skandinavische Hochgebirgslandschaft: Eine leicht hügelige Bergtrunda jenseits der Baumgrenze, meist durchsetzt mit Seen und Bächen. Hier wachsen höchstens noch windschiefe Fjällbirken und natürlich Moose und Flechten. Vor allem im westlichen und nördlichen Skandinavien ist diese Landschaft verbreitet.

Mit den dichten grünen Wäldern und fruchtbaren Auen in Südschweden hat sie nur noch wenig gemeinsam. Eingefleischte Schwedenreisende behaupten gar, das „echte“ Schweden würde erst nördlich von Idre beginnen. Ich denke, das eine Schweden ist so echt wie das andere – doch das Fjäll sollte jeder abenteuerlustige Wanderer einmal erlebt haben. Das Grövelfjäll ist dafür ein perfekter Einstieg.

Rund um Grövelsjön

Bei unsere Halbtagestour entlang des Sees Grövelsjön haben wir den mittleren Rundweg, den Trollstigen, gewählt. Dieser Pfad führt durch eine liebliche Landschaft mit Birkenwäldchen, Bächen und Blaubeerbüschen, entlang alter samischer Stätten und bietet immer wieder phantastische Ausblicke über den Grövelsjön und bis ins norwegische Fjäll.

Eine Tagestour führte uns ins östliche Långfjället auf den 1.204 Meter hohen Storvätteshågna, von den Samen Gealta genannt. Hier zeigte sich das Fjäll von seiner rauen Seite.

Mein persönlicher Höhepunkt war der Trip durch das Rogen Naturreservat. Gut, wir mussten Schnipsel die Hälfte des Weges tragen, weil sie, sobald ihre Pfötchen den Boden berührten, Rentiere zerfleischen wollte (mit 4 Kilogramm Kampfgewicht kein ganz einfaches Unterfangen). Die Viecher waren aber auch wirklich üb-er-all. Doch die unwirkliche Landschaft mit ihren silbrigen Bäumen, Mooren, den spiegelglatten, schier endlosen Seen und der Schatten der norwegischen Femundsmarka in der Ferne wäre  auch für zwanzig mordlüsterne Schnipsels Entschädigung genug gewesen.

Das vergessene Tal – mein Sehnsuchtsort

Töfsingdalen – dieser Name hat sich in mein Hirn gebrannt. Das Hirn, das sich sonst Namen einfach nicht merken kann. Aber Töfsingdalen, das ist mein neuer Sehnsuchtsort. „Das vergessene Tal“, ein abgelegener kleiner Nationalpark in der Gegend um Idre, der nur über einen Tagesmarsch auf Schusters Rappen zu erreichen ist. In dem unberührten Tal leben Adler, Bären und Vielfraße.

Bislang habe ich Töfsingdalen leider nur als verheißungsvollen grünen Schimmer am Horizont gesehen, auf der Kuppe des Storvätteshågna stehend, während die Collies sich im Fjällwind zusammenrollten. Für einen Abstecher nach Töfsingdalen sollte man mindestens zwei Tage und eine Übernachtung einplanen, und leider hatten wir kein Zelt mit dabei. Auf meiner To-Hike-Agenda liegt es allerdings seitdem gaaaanz oben.

Unterkünfte im Grövelfjäll

Die Grövelsjön Fjällstation ist ein Hotspot für alle Wanderer und die größte Fjällstation des STF, des schwedischen Wandervereins Svenska Turistföreningen. Hier kann man übernachten, essen, shoppen, sich informieren und zu Tages- und Mehrtagestouren aufbrechen. Die Fjällstation ist ein beliebter Ein- und Ausstiegspunkt für den südlichen Kungsleden und verbindet die Etappen Storrödtjärnstugan/Grövelsjön und Grövelsjön/Skärvagan miteinander. (Eine Übersichtskarte über den südlichen Kungsleden hat Fjällwanderungen.de hier eingestellt.)

Im Norden und im Osten schließt sich das Fjäll unmittelbar an die Wanderstation an. Einen knappen Kilometer weiter nördlich liegt der See Grövelsjön, an dem die Fjällstation einen sehr netten kleinen Campingplatz betreibt. Im Fjäll selbst gilt das Jedermannsrecht, das hier von vielen Wanderern in Anspruch genommen wird: Ab dem späten Nachmittag sprießen kleine Zeltkuppeln wie bunte Pilzköpfe aus dem Boden.

Ende August war auf der Fjällstation jede Menge los. Ein Tipp für alle, die es etwas ruhiger mögen: Nur einen Kilometer weiter südlich liegt die Wintersportstation Grövelfjäll mit angeschlossenem Campingplatz. Wir haben uns den riesigen, über drei Ebenen angelegten Platz mit gerade einmal zwei weiteren Campern geteilt. Der Betreiber Mats ist unheimlich nett, wie wir bei einer spontanen Einladung zum Abendessen (mit Hafermilch!) erfahren durften. Seine Goldie-Hündin Freya auch, fand Lupold!

 

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